Rahel

Rahel ist eine Frau, die bei sich angekommen ist. Nicht weil ihr Leben leicht gewesen wäre, sondern weil sie gelernt hat, sich nicht mehr zu verlassen. In ihr liegt eine Stille, die trägt. Kein Rückzug, sondern ein innerer Ort, an den sie immer wieder zurückkehrt.

Es gab eine Zeit, in der sie geglaubt hatte, ihr Glück liege außerhalb von ihr. In Beziehungen, in Anerkennung, im Gesehenwerden. Sie hatte gehofft, gewartet, sich angepasst. Oft länger, als es ihr guttat. Sie war bereit gewesen, sich selbst leiser zu machen, um Nähe nicht zu verlieren.

Der Wandel kam nicht als Ereignis. Er begann als Erschöpfung. Als leises Erkennen, dass sie sich selbst fremd geworden war. Dass sie fühlte, ohne gehört zu werden, und blieb, obwohl sie längst wusste, dass sie gehen musste. In dieser Müdigkeit lag der erste Schritt zurück.

Sie begann, der Stille zu trauen. Lernte, Gefühle zuzulassen, ohne von ihnen fortgetragen zu werden. Nähe zu empfinden, ohne sich dafür preiszugeben. Sie erkannte, dass Verbundenheit nichts mit Aufopferung zu tun hat.

Heute begegnet sie der Welt offen und gesammelt zugleich. Sie braucht keine Bestätigung mehr, um sich wertvoll zu fühlen. Erfahrungen, Brüche und Verluste haben ihren Platz gefunden. Daraus ist eine stille Würde entstanden, die nicht gesehen werden will, aber doch spürbar ist.

Sie sucht nicht mehr.
Sie kehrt zurück zu sich.

Und in diesem Zurückkehren liegt ihr Glück.

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